Freilernhaltung Wir lernen vom Leben!

Kindergarten

Edel Weiss 14. Mai 2011

Seit gut 6 Wochen haben wir nun unsere 5-Jährige im Kindergarten angemeldet. Jedes Kind unserer Familie bekommt die Möglichkeit, dorthin zu gehen wenn es mag. Zumal erhoffen wir uns für sie einen Vorteil, was ihre Sprachentwicklung angeht. Unsere nette Logopädin hat uns dazu geraten und wir versuchen es einfach mal. Außerdem sind die Vormittage bei uns mit Aufräumen und Ordnung machen relativ langweilig und daher hatten wir den Eindruck, dass unsere 5-Jährige noch etwas mehr Action gebrauchen könnte. Sie ist eigentlich ein sehr lebhaftes und selbstbewusstes Kind, dass uns ständig herausfordert.

Jedenfalls ist sie in den ersten beiden Wochen sehr gern hingegangen. Dann war die Osterpause, und sie hat anschließend noch ein paar freie Tage angehängt, weil sie nicht hingehen wollte. Dann kam der Muttertag, für den sie voller Eifer im KIga gebastelt, geprobt und bei der Aufführung mitgemacht hat. Und diese Woche nun, war sie insgesamt ein einziges Mal dort. Gestern lief morgens alles glatt bei uns daheim und sie saß im Kiga schon in der Garderobe – Hausschuh an und Jacke aus – und sagte plötzlich “Ich will doch lieber nach Hause.” Also sind wir nach einem kurzen Gespräch mit der netten Kiga-Tante wieder heimgegangen. Und beim Einschlafen sagte mir unsere 5-Jährige, dass sie überhaupt nicht mehr in den Kindergarten gehen mag. Das war in dieser Woche schon das zweite Mal. Mmh. Und nun?

Irgendwie macht es mich traurig, dass wohl auch dieses Kind über den Kiga nicht den intensiven Anschluss an die Dorfgemeinschaft finden wird. Natürlich muss sie nicht, aber ich hätte mich für sie gefreut. Ich hätte es ihr gewünscht. Aber scheinbar ist es nicht ihr Weg.

Ich habe sie auch gefragt, warum sie nicht mehr hingehen mag. Sie meinte, sie würde lieber weiter in die Musikschule gehen (die aber eh nachmittags ist) und ihr gefällt es nicht, dass man im Kiga nicht einfach so in den Garten gehen darf.
Alles in allem hatte ich dennoch wirklich den Eindruck, dass es ihr gefällt und gut tut. Für uns daheim war tatsächlich auch eine Entlastung spürbar – plötzlich war es so ruhig und friedlich am Frühstückstisch – sehr angenehm.

Nächste Woche wird sie mal überhaupt nicht hingehen und wir werden das Thema nicht anschneiden und dann schauen wir weiter.

Andererseits zeugt es auch von einer starken Persönlichkeit und einer gewissen Selbständigkeit, wenn eine 5-Jährige ihre Bedürfnisse so deutlich äußert und auch dazu steht, wenn sie schon im Kiga sitzt und dann wieder heimgeht.

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Glückliches Lehrerdasein

Edel Weiss 14. Mai 2011

Seit gut drei Monaten arbeite ich als Deutschlehrer für afghanische Flüchtlinge in einem unserer Nachbarorte. Zweimal die Woche für zwei Stunden. Am Anfang war ich sehr unsicher, wie ich mit ihnen und ihrer Mentalität umgehen soll. Jetzt sind das zwei Termine in der Woche auf die ich mich freue. Weil es mir Spaß macht, weil es lustig ist, weil sie total nett und umgänglich sind.

Anfangs wusste ich nicht, wie streng ich zu ihnen sein sollte, um meine Autorität zu behalten. Ich habe mich für einen Sprung ins kalte Wasser entschieden und von Anfang an nicht den Oberlehrer heraushängen lassen. Ich fange  pünktlich an und stehe auch schon mal bei ihnen auf der Matte, wenn eine Viertel Stunde später noch niemand da ist. Alles mit einem Lachen im Gesicht – weil ich es witzig finde. Ich freue mich über jeden, der zum Kurs kommt – mir ist Freiwilligkeit ganz wichtig. Heute kam einer, der noch nie zum Kurs da war – es war mir eine Ehre, deshalb habe ich im Scherz eine Verbeugung angedeutet – große Heiterkeit und alle konnten spüren, dass meine Autorität nicht über den Zwang geht.

Und sie lernen doch!

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Veränderungen

Edel Weiss 6. April 2011

Nachdem der Frühling auch bei uns endlich Einzug gehalten hat, bemerken wir langsame aber stetige Veränderungen in unserem Leben. Die Kinder wachsen an ihren Aufgaben genauso wie wir. Unsere Familie entwickelt sich in Richtung Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Beruflich wie privat und finanziell. Immer wieder haben wir ganz klar vor Augen in welche Richtung unser Weg geht. Diese Aufbruchstimmung spüren auch die Kinder und ich freue mich, dass sie erleben dürfen, wie ihre Eltern sich unabhängig machen von den üblichen Konventionen eines Berufsalltags.

Endlich nach dem Lesen viel zu vieler Erziehungsratgeber habe ich des Rätsels Lösung gefunden: Solche Bücher verunsichern wohl jeden und es ist am besten, wenn man bei sich bleibt und mit den Kindern so umgeht, wie man es für richtig hält – so wie es einem selber guttut.

Freilernen wirkt halt auch auf die ganze Familie, nicht nur auf die Kinder.

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Wir sind zurück

Edel Weiss 29. Januar 2011

Nachdem wir nun für mehrere Monate in Frankreich waren, sind wir wieder in unsere Heimat zurückgekehrt.  Voller Freude. Auch die Kinder haben gemerkt, wie sehr man sein zu Hause vermissen kann. In den vier Monaten hat sich viel ereignet. Die Kinder haben eine neue Sprache erlernt, nicht in der Schule sondern während ihrer Reitstunden und im Kontakt mit anderen Menschen. Wir sind auf eine neue Mentalität, neue Umgangsformen und neue ungeschriebene Regeln gestoßen – das hat uns alle manchmal ganz schön gefordert. Und jetzt, wo wir wieder daheim sind, merken wir, was diese Anstregungen für uns gebracht haben – eine ungemeine Horizonterweiterung. Wir alle können jetzt neue Querverbindungen zwischen den Sprachen, den Kulturen und den Menschen ziehen. Wie beiläufig stellen wie Vergleiche an und sprechen darüber, was uns in welchem Land besser gefällt. Irgendwie sind wir etwas mehr zu den Europäern geworden, die wir gerne sein würden. Wir haben gemerkt, dass man sich mit der Zeit und mit netten Kontakten wohl überall auf der Welt vertraut und etwas heimisch fühlen kann.

Und was unsere Einstellung zum Lernen angeht, sind wir Eltern einen Schritt weiter gekommen. Wir haben festgestellt, dass es für uns sehr wohl wichtig ist, wenn UNSERE  Kinder altersgemäß über ein bestimmtes Wissen und bestimmte Fähigkeiten verfügen. Wir sind nicht die superalternativen Eltern, die endlos Geduld und Vertrauen in die Entwicklungsfähigkeiten unserer Kinder haben. Wir haben gemerkt, dass auch wir eine gewisse Erwartungshaltung gegenüber ihnen haben. Und endlich ist uns das klar geworden und unsere Kinder können von dieser Klarheit profitieren.

Bei uns werden jetzt jeden Tag Schulsachen gemacht. Meistens abends, wenn der Tag vorbei und Ruhe eingekehrt ist. Unsere 8-Jährige arbeitet momentan mit großer Begeisterung an einem Computerspiel zum Wissen der dritten Klasse. Im Alltag redet und antwortet sie immer wieder auf französisch. Unsere inzwischen 11-Jährige wollte gestern Geographie auf englisch machen. Also haben wir über die Kontinente, die Ozeane, Wüsten, Gebirge und Tiere, die dort leben gesprochen. Wir Eltern waren  echt erstaunt, wie gut sie uns verstehen konnte, wieviel sie auf englisch schon sagen konnte und wie sie sich von fehlenden Vokabeln nicht hat verunsichern lassen. Es hat ihr einfach Spaß gemacht. Unsere knapp 5-Jährige hat sich in Frankreich immer wieder darüber geärgert, dass ihre Schwestern soviele Schulbücher hatten uns sie kein einziges. Deswegen haben wir ihr eben dann auch Schulbücher für 4- und 5-Jährige Kinder gekauft. Darin arbeitet sie voller Freude von Zeit zu Zeit.

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Neue Anfänge

Edel Weiss 3. September 2010

Wieder einmal neigt sich der Sommer dem Ende entgegen. Und wieder einmal habe ich das Gefühl, dass jetzt eine Zeit beginnt, die besser  zum “Schulsachen machen” geeignet ist. Im Sommer ist sovieles anderes wichtiger. Aber jetzt mit dem Regen, der Kühle und dem früher Dunkelwerden bleibt wieder Zeit sich zu besinnen.

Unsere Älteste hat heute getan, was ich mir bereits vor 1-2 Jahren bei ihr vorgestellt hatte.  Sie hat in einem Schulheft ein Wörterbuch angefangen. Für jeden Buchstaben plant sie eine Seite ein, die sie dann mit passenden Wörtern füllt. Ab und zu hat sie mich nach einem Wort gefragt, wenn ihr keines mehr mit dem entsprechenden Anfangsbuchstaben einfiel.  Ich schenkte ihr ein  Wort, sie schrieb es auf und dann leitete sie von diesem Wort neue Wörter mit dem passenden Anfangsbuchstaben ab: “Gott” – “göttlich”

Also im Lehrplandeutsch würde das heißen: Wortfamilien bilden

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Nur eine Wanderung

Edel Weiss 29. Juli 2010

Heute haben wir mit einer lieben Ferundin und deren Tochter eine Wanderung gemacht. Damit es die lieben Kleinen etwas amüsanter hatten, haben sie für die weite Strecke Laufrad und Fahrrad mitgenommen. Und unser Kater an der Leine war auch dabei.

Mal sehen, was so alles passiert ist:
Mit der Fähre den Fluss überquert. Am Ufer Steine zerschlagen und Federn gesammelt. Beim Fahren immer auf der richtigen Seite geblieben um dem Gegenverkehr auszuweichen; an einem Kartoffelfeld bereits herausgepflügte Kartoffeln entdeckt und eingesammelt. Ein paar kleinere Stürze mit den RAdln überstanden. Den Rücktritt beim Fahrrad erprobt; ein STück durchs Maisfeld geradelt, die Schiffe in der Schleuse beobachtet, dem Geräusch der Turbinen beim Kraftwerk zugehört; in einer alten Lok gespielt; unflätige Lieder gesungenen, Zungenbrecher ausprobiert; Birkenrinde abgeschält und später als Briefpapier für eine Flaschenpost benutzt und sicher noch ein paar Aktivitäten, die ich nicht bemerkt habe.

Danach waren wir alle herrlich geschafft.

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Sommer

Edel Weiss 15. Juli 2010

Jetzt ist endlich wieder mehr Ruhe eingekehrt. Unsere Kinder finden mehr Zeit zum Spielen, Trödeln, Reden, Nachdenken. Wir haben es richtig gemütlich daheim. Ins Freibad und an die Donau gehen wir zur Zeit nicht, weil es in diesem Sommer dort extrem viele Bremen gibt. Stattdessen verbringen wir die Tage gelassen in unserem alten und kühlen Haus. Heute waren wir für einige Zeit auf dem Spielplatz und eine holländische Familie hat mit unseren Kindern Kontakt aufgenommen. Erst ging es nur um die Meerschweinchen, die unsere Kinder dabei hatten, dann um dies und das und schließlich kam unweigerlich die Frage: “Geht Ihr auch hier zur Schule?” Ich saß ziemlich abseits und war gespannt auf ihre Antwort: Erstmal Schweigen, dann erklärte die Älteste, dass “Mama unsere Lehrerin ist”.

Beim Einschlafen erzählte mir unsere Mittlere, dass sie diese Fragen über die Schule und das Freilernen inzwischen schon richtig hasst. Sie mag nicht immer erklären müssen, was wir tun. Dann erzählte sie mir noch von einer Begebenheit, wo sie im Ort Schulkinder auf ihrem Heimweg getroffen hätte und eine frühere Freundin hätte ihr zugerufen: “Da ist ja die Nicht -in- die- Schule-Geherin.” Ein anderes Mädchen hätte dann gefragt, wie sie überhaupt etwas lernen könne, wenn sie nicht in die Schule geht.  Solche Situationen mag sie nicht. Und mich packt das Mitleid. Zum Glück kommt soetwas nicht sehr oft vor.

Sollten Schulkinder nicht eigentlich besser sozialisiert sein als Freilerner-Kinder, wo sie in der Schule doch soviel Zeit mit Gleichaltrigen verbringen, sich in Gruppen arrangieren müssen und die Schule nicht zur zum Stoff lernen sondern auch zur Sozialisation da sein will? Merkwürdig.

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Prüfungsschule gesucht!

Edel Weiss 2. Juli 2010

Für unsere Älteste müssen wir im kommenden Jahr eine neue Prüfungsschule finden. Mit der Volksschule ist sie fertig – also muss nun eine Hauptschule als Prüfungsschule her. Eine Schule, die alternativ arbeitet und doch eine öffentliche Schule ist. Eine Schule, die unsere Tochter gern prüfen mag. Eine Schule, die neugierig darauf ist, was unsere Tochter innerhalb eines Jahres entdeckt und lernt. Eine Schule, der die individuelle Entwicklung eines Kindes wichtiger ist als der staatlich verordnete Lehrplan. Eine Schule bzw. eine Lehrerin, die sich lieber das mitgebrachte Material des Kindes anschaut statt schriftliche Prüfungen abzuhalten.

Bisher habe ich in ganz Österreich eine solche Schule nicht finden können. Traurig aber wahr. Ich bin für jeden Tipp dankbar!

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Wochenplan

Edel Weiss 29. Juni 2010

Unser straffer Wochenplan:

Sonntag: Reitturnier für unsere Mittlere – Ergebnis: 1. Platz, was für eine Freude! (Umgang mit Konkurenzsituationen)
Montag: Freilerner-Treffen bei einer neuen Familie (Sozialkontakte :-) ))))))
Dienstag: Vormittags Logopädin für unsere Jüngste, abends Vorspielabend in der Musikschule für unsere Mittlere (Präsentation vor einer größeren Gruppe ;-) )))
Mittwoch: Besuch einer potentiellen Prüfungsschule fürs nächste Schuljahr – auf dem Rückweg BEsuch unserer Nachbarin im Altenheim und kurzer Zwischenstop auf einer kleinen Geburtstagsfeier (Konfrontation mit unterschiedlichen Gruppen und Ansichten in einer Gesellschaft)
Donnerstag: eine Freundin unserer Mittleren kommt zum Übernachten (welchen Kritikpunkt am Freilernen können wir hier entkräften?)
Freitag: Geburtstag unserer mittleren Dame
Samstag: Reiten und ein lieber Übernachtungsgast kommt (evtl. noch FAckelumzug im Ort)
Sonntag: unsere dann 8-Jährige will wieder ministrieren gehen

Fazit: Es ist fast nicht mehr zu packen. Und das, obwohl wir viele Einladungen ausschlagen und wir tolle Workshopangebote nicht annehmen.  Das finden wir schade. Aber irgendwann müssen wir auch mal Luft holen und den Sommer genießen, unsere Tiere versorgen und liebhaben, uns streiten und uns einfach mal langweilen, damit wieder neue Ideen entstehen können.

Familien mit Schulkindern müssen sicher noch mehr rotieren als wir zur Zeit.

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Eine neue Verkehrsteilnehmerin

Edel Weiss 19. Juni 2010

Unsere 4-Jährige hat uns heute abend zum Staunen gebracht. Nachdem wir den ganzen Tag beim Reiten war, sie auf dem Rückweg im Auto vor Erschöpfung eingeschlafen war, holte sie um halb 7 ihr großes Radl aus dem Keller. Einfach so zum Spielen, Luft aufpumpen und schieben. Dann wollte sie ein bisschen fahren und ich habe sie an den Schultern festgehalten. Als ich gemerkt habe, dass sie sicher ist, habe ich kurz losgelassen. Sie hat sich geschreckt und gleichzeitig gemerkt, dass sie doch nicht umfällt. So ging es eine Weile hin und her. Dann hat sie mal beim Loslassen kurz weitergetreten und gemerkt, dass sie oben bleibt. Und nach einer halben Stunde fuhr sie schon 30-40 Meter ohne Hilfe ganz allein! Einfach so! Unsere Jüngste, die sonst zu allem länger braucht, hat von Null auf Hundert Radl fahren gelernt! Sie hatte vorher ein Dreirad, mit dem sie nicht fahren konnte, ein kleines RAdl mit Stützrädern, mit dem sie nicht fahren konnte. Dann vor 4-5 Wochen haben wir ein Laufradl bekommen. Mit dem konnte sie super fahren und hatte diese Woche noch einen üblen Sturz mit arger VErletzung – und jetzt fährt sie Radl!

Da sind uns Eltern fast die Freudentränen gekommen, so hat es uns gerührt.

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